Demokratische Präsidentschaftskandidatur 2020: Warmmachen

Beiträge 71 - 80 von 122
  • Mehr Kaffeesatz

    drui (MdPB), 31.01.2019 15:29, Antwort auf #70
    #71

    Nette Spielerei bei 538, um die parteiinterne Mehrheitsfähigkeit verschiedener Kandidaten einzuschätzen.

    Nach der parteiinternen Mehrheitsfähigkeit hier mal die Fähigkeit gegen Trump zu gewinnen basierend auf den letzten Wahlen der Kandidaten in ihren Heimatstaaten. Fast alle schneiden besser ab als Hillary, bis auf Elizabeth Warren:

    https://www.electoral-vote.com/evp2019/Pres/Maps/Jan31.html#item-4

    (WP ist hinter einer paywall)

    Der große Gewinner ist hier Amy Klobuchar, sie bekäme hypothetisch 17% mehr als Clinton.

  • Obama 2.0?

    Wanli, 01.02.2019 19:56, Antwort auf #71
    #72

    Ja, ich bin sehr gespannt, ob Klobuchar antritt.

    Weniger Spannung herrscht jetzt in Bezug auf Cory Booker: Der frühere Bürgermeister von Newark, der jetzt den Staat New Jersey im Senat vertritt, hat seine Kandidatur erklärt; nach Warren, Gillibrand und Harris der vierte demokratische Senator im Rennen. Weitere (Sanders, Brown, Klobuchar) könnten folgen.

    Der Schwarze Booker hat ne Menge Charisma und eine durchaus interessante politische Karriere hinter sich, als Bürgermeister nicht nur eine Wohnung in einer der heruntergekommensten Gegenden Newarks bezogen, sondern gar eine Nachbarin aus ihrem brennenden Haus gerettet. Sein Abstimmungsverhalten im Senat ist recht links, er hat allerdings auch ganz gute Verbindungen zur Wall Street.

    Unter allen bisherigen (und vermutlich auch zukünftigen) Kandidaten wirkt er am ehesten wie ein Wiedergänger Obamas. Mal sehen, wie er sich so schlägt.

    A charismatic, liberal-but-not-super-liberal black man is running for president. He has degrees from two of America’s most prestigious universities. He was a community organizer before serving in elected office. He was touted very early in his career as the potential first black president. He served a stint in local government before becoming one of the very few African-Americans ever elected to the U.S. Senate. And he is running on a message of optimism. Cory Booker announced that he is running for president via a video on Friday morning. He and Barack Obama are different people, of course — their resumes and race notwithstanding — but Booker’s most obvious electoral path to the Democratic nomination and the presidency is the same one Obama followed over a decade ago. [...]

    I can see Booker winning the nomination and becoming president, but I can also see him not winning a single primary. He has very broad potential appeal, but he may not have a solid core constituency, which is a major problem in a field that could include more than 20 candidates.

    https://fivethirtyeight.com/features/how-cory-booker-could-win-the-2020-democrat ic-nomination/

  • RE: Mehr Kaffeesatz - State of the Union Address

    gruener (Luddit), 06.02.2019 20:57, Antwort auf #71
    #73

    Nette Spielerei bei 538, um die parteiinterne Mehrheitsfähigkeit verschiedener Kandidaten einzuschätzen.

    Nach der parteiinternen Mehrheitsfähigkeit hier mal die Fähigkeit gegen Trump zu gewinnen basierend auf den letzten Wahlen der Kandidaten in ihren Heimatstaaten. Fast alle schneiden besser ab als Hillary, bis auf Elizabeth Warren:

    somit sollte im grunde bereits jetzt klar sein, wen die dems 2020 ins rennen schicken werden: elizabeth warren. (zumindest die sympathie aller deutschen karl-may-fans sollte ihr gewiss sein)

    oder wie es steingart in seinem heutigen morning briefing in der berichterstattung über trumps gestrige rede zur nation zusammengefasst hat:

    Die Demokraten empörten sich mit der gebotenen Pflichtschuldigkeit, die Replik auf Trump lieferte ausgerechnet die gerade in Georgia gescheiterte Stacey Abrams. Welch eine Symbolik! In Wahrheit sind die Demokraten nicht weniger angeschlagen als der Präsident. Nicht, dass Donald Trump ihnen Verletzungen zugefügt hätte. Das hat er nicht. Das besorgen die Demokraten mit ihrem moralischen Rigorismus derzeit selber.

    danach zählt steingart eine reihe peinlicher auftritte führender demokraten auf, die sich in den letzten wochen für irgendetwas - und sei es auch noch so absurd - entschuldigt haben bzw. entschuldigen mussten, um zu enden:

    Erfahrene Kampagnen-Manager raten in der „New York Times“ davon ab, sich leichtfertig zu entschuldigen. Politische Sensibilität würde bei den parteiinternen Vorwahlen zwar die demokratische Basis überzeugen, aber später in der direkten Auseinandersetzung mit Trump als Schwäche gewertet. Die einen verbeugen sich demütig. Der andere steht. Sie sagen „sorry“. Er sagt „go“. Sie wirken einfühlsam. Und er ist der Präsident.

    nun, mit dieser partei ist aktuell offenbar kein staat zu machen - ähnlich wie mit der deutschen sozialdemokratie.

    *****

    ps: neben warren gebe ich dem - man muss es extra betonen: demokratischen - gouverneur von virginia, ralph northam, die besten chancen, als kandidat aufgestellt zu werden. der hat in seiner jugend mal auf einem foto als kkk-mitglied posiert - mit schwarzer farbe im gesicht. die südstaaten sollte er daher unisono holen...

  • RE: Mehr Kaffeesatz - State of the Union Address

    Wanli, 07.02.2019 18:35, Antwort auf #73
    #74

    Köstlich, wie Du immer für einen Scherz zu haben bist, gruener! Allen, die hier öfter im USA-Forum schmöckern, demonstrierst Du aufs Amüsanteste, was für eine Luftpumpe der Steingart eben ist. ^.^

    Das fängt schon so herrlich ahnungslos an:

    Die Demokraten empörten sich mit der gebotenen Pflichtschuldigkeit, die Replik auf Trump lieferte ausgerechnet die gerade in Georgia gescheiterte Stacey Abrams. Welch eine Symbolik!

    Herrlich, haben wir doch alle mitbekommen, wie Abrams' knappe Niederlage zustande gekommen war: Der Gegenkandidat (und zum Zeitpunkt der Wahlen Innenminister) hatte mehrere Hunderttausend Bürger aus den Wählerverzeichnissen streichen lassen, die meisten davon Schwarze. Zum Piepen, dass das der Nulpe Steingart nicht aufgefallen ist...

    In Wahrheit sind die Demokraten nicht weniger angeschlagen als der Präsident.

    Ein echter Steingart, ein Schenkelklopfer vor dem Herrn! Gerade mal ein Vierteljahr ist vergangen seit den Midterms, in denen der GOP aber mal so richtig der Allerwerteste versohlt wurde. Hihi!

    Die einen verbeugen sich demütig. Der andere steht.

    Und Gabor, altes Irrlicht, er setzt noch einen drauf: Gerade erst ist der Shutdown beendet worden, den der POTUS angezettelt hatte, um die Demokraten gefügig zu machen - am Ende kam genau die Lösung den Haushalt betreffend dabei heraus, die die Demokraten (und auch die meisten Republikaner) von Anfang an gefordert hatten, Rechtsauslegerin Ann Coulter bezeichnete den POTUS daraufhin öffentlich als "Wimp", als Schlappschw*nz. Aber klar, der Präsident "steht"...

    Erfahrene Kampagnen-Manager raten in der „New York Times“ davon ab, sich leichtfertig zu entschuldigen.

    Herr Wirrgart scheint sich wenig auszukennen mit dem System parteiinterner Vorwahlen, sonst könnte er wissen, dass es da generell nicht gerade selten ist, dass sich Kandidaten für "Verfehlungen" in der Vergangenheit rechtfertigen und sich, ja, dann sogar dafür entschuldigen. Wir hier, gut informiert, wie wir sind, können da natürlich nur kichern, wissen wir doch alle, welcher Kandidat mal in gemütlicher Runde geäußert hatte, er packe Frauen ja gern spontan zwischen die Beine, und dann im Wahlkampf dazu verlauten ließ: "I said it, I was wrong and I apologize!"

    Vielen Dank noch einmal, dass Du uns mitlachen lässt über den gequirlten Blödsinn, der den devoten Konsumenten des "Newsletters" eines Westentaschen-Welterklärers hier mal wieder serviert wurde...

  • RE: Mehr Kaffeesatz - State of the Union Address

    drui (MdPB), 09.02.2019 10:51, Antwort auf #74
    #75

    Die Demokraten empörten sich mit der gebotenen Pflichtschuldigkeit, die Replik auf Trump lieferte ausgerechnet die gerade in Georgia gescheiterte Stacey Abrams. Welch eine Symbolik!

    Ich musste da an etwas anderes denken.

    Dass die Repliken der SOTU traditionsgemäß immer von kommenden oder vermeintlich kommenden Stars der Oppositionspartei gehalten werden, geschenkt, das weiss Steingart einfach nicht. Dass die Replik nichts mit Empörung zu tun hatte, weil die Rede ohne Kenntnis vom Inhalt Trumps Rede geschrieben, wurde, geschenkt. Dass ihr der Wahlsieg gestohlen wurde, geschenkt. Dass alle unabhängigen Beobachter die Rede für überdurchschnittlich hielten, auch im Zusammenhang mit vergangenen Repliken auf die SOTU, geschenkt, Kritik an inhaltlichen Argumenten ist eh nicht Steingarts Ding. Das einzige, das Steingart wohl aufgefallen ist, ist die Hautfarbe von Adams und in diesem Zusammenhang ist wohl seine "Symbolik" zu verstehen. Ist ja auch einfach unerhört (für weiße und rassenreine Männer), dass eine schwarze, nicht milliardenschwere Frau auf den GröPräz antwortet.

  • Old Dominion Blues

    Wanli, 09.02.2019 13:55, Antwort auf #75
    #76

    Das einzige, das Steingart wohl aufgefallen ist, ist die Hautfarbe von Adams und in diesem Zusammenhang ist wohl seine "Symbolik" zu verstehen. Ist ja auch einfach unerhört (für weiße und rassenreine Männer), dass eine schwarze, nicht milliardenschwere Frau auf den GröPräz antwortet.

    Da mag auch was dran sein, besonders wenn man sich noch Abrams' Äußeres vor Augen führt - ein paar Pfunde mehr auf den Rippen, Zahnlücke.

    Die Dame sieht so aus, wie sich der gemeine Republikaner gern die typische "Wellfare Queen" vorstellt, die faule schwarze Mama, die ständig Kinder in die Welt setzt, um Sozialleistungen zu kassieren, für die die fleißigen Weißen dann abkassiert werden.

    Für Fans solcher Stereotype ist Abrams natürlich eine fleischgewordene Provokation - sie hat nicht nur einen Yale-Abschluss, sondern ihre unter Pseudonym veröffentlichten Romane räumten diverse Preise ab; ihr Charisma sowie die Energie, mit der sie über Jahre hinweg die Registrierung von Wahlberechtigten betrieb, machten (neben dem demographischen Wandel Georgias) die anrüchigen Machenschafften der Republikaner des Staates erst notwendig zur Sicherung des eigenen Machterhalts.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Stacey_Abrams

    Die Demokraten hoffen ja, Abrams für eine Senatskandidatur im kommenden Jahr gewinnen zu können; ich denke sie wäre eine starke Kandidatin und dann hoffentlich auch Senatorin.

    Wer mag, kann sich ihre Antwort auf den POTUS hier anschauen:

    https://www.youtube.com/watch?v=YflMeS6NExc

    ------

    Amy Klobuchar hält morgen eine mysteriöse Veranstaltung ab, zu der auch reichlich Presse geladen wurde - vermutlich wird hier eine Präsidentschaftskandidatur verkündet werden. Über Amys Vorzüge wurde hier schon geschrieben.

    People often forget this about Barack Obama’s 2008 campaign: One of his strengths — in both the primaries and general election — was geography.

    Obama’s Illinois borders Iowa, Missouri, Wisconsin and Indiana, and Obama won all of these states in either the primaries/caucuses (Iowa, Missouri, Wisconsin) or the general election in 2008 (Iowa, Wisconsin, Indiana).

    And part of the POTENTIAL that Klobuchar brings to the 2020 Democratic field is the ability to replicate this Obama strength from 2008.

    Minnesota, after all, borders Iowa (whose caucuses could be more important than ever this cycle), as well as Wisconsin (which could be 2020’s all-important battleground state in the general election).

    https://www.nbcnews.com/politics/meet-the-press/2020-campaign-starts-picking-spe ed-n969256?cid=eml_pol_20190208

    Vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet kurz vor ihrer großen Ankündigung (wenn es denn wirklich darum geht) Berichte in der Presse auftauchen, dass die in der Öffentlichkeit immer bestimmt, aber freundlich auftretende Senatorin - "Minnesota nice" eben - zu ihren Mitarbeitern mal gar nicht nett sei. Drumpf dürfte seinen Platz als unausstehlichster Chef in Washington sicher haben, aber Klobuchar scheint ihm in der Beziehung dicht auf den Fersen zu sein.

    But behind the doors of her Washington, DC, office, the Minnesota Democrat ran a workplace controlled by fear, anger, and shame, according to interviews with eight former staffers, one that many employees found intolerably cruel. She demeaned and berated her staff almost daily, subjecting them to bouts of explosive rage and regular humiliation within the office, according to interviews and dozens of emails reviewed by BuzzFeed News.

    That anger regularly left employees in tears, four former staffers said. She yelled, threw papers, and sometimes even hurled objects; one aide was accidentally hit with a flying binder, according to someone who saw it happen, though the staffer said the senator did not intend to hit anyone with the binder when she threw it.

    “I cried. I cried, like, all the time,” said one former staffer.

    https://www.buzzfeednews.com/article/mollyhensleyclancy/amy-klobuchar-staff-2020 -election

    Ob so etwas im Wahlkampf ein ernsthafter Nachteil ist? Wir werden es wahrscheinlich erleben.

    ------

    In Virginia haben die Demokraten eine geradezu unglaubliche Menge Ärger am Hals. Nicht nur, dass eine Seite des Universitätsjahrbuchs auf der Seite des derzeitigen Gouverneurs ein Foto eines schwarz geschminkten Weißen neben einem Kommilitonen im KKK-Outfit zeigt (der Gouverneur leugnet inzwischen, eine der Personen auf dem Foto zu sein, gibt aber zu, sich mal schwarz geschminkt zu haben), gegen seinen Stellvertreter (der bei einem Rücktritt sein Amt erben würde) erheben mittlerweile zwei Frauen Anschuldigungen, in einem Fall geht es um Vergewaltigung, die Vorwürfe scheinen glaubwürdig. Träten beide zurück, würde der Generalstaatsanwalt, ebenso ein Demokrat, neuer Gouverneur, auch er hat in seiner Jugend allerdings mal "Blackfacing" betrieben. Vierter in der Nahrungskette wäre der republikanische Mehrheitsführer im Parlament, der seinen Rang eher dubiosen Umständen verdankt.

    • Gov. Ralph Northam (D-VA) has admitted to using blackface to imitate Michael Jackson
    • Lt. Gov. Justin Fairfax (D-VA) has been accused of sexual assault
    • Virginia AG Mark Herring has now admitted to once using blackface at a student party

    The state is in an uproar. If all three resign or are pushed out, the next person in line to become governor is state House speaker Kirk Cox (R), whose mandate is about as thin as can be. The 2018 race for Virginia House district 94 was embroiled in a bitter dispute over one ambiguous ballot. The judges decided in favor of the Republican, which left the vote count at 11,608 for the Democrat and 11,608 for the Republican. To break the tie, a name was fished out of a bowl and it was the Republican, giving the Republicans a 51-to-49 majority, which led to Cox being elected speaker.

    https://www.electoral-vote.com/evp2019/Pres/Maps/Feb07.html#item-2

    Der Staat Virginia trägt ja auch den Spitznamen "Mother of Presidents", aber von den derzeitigen Spitzenpolitikern des "Old Dominions" wird wohl keiner ins Weiße Haus einziehen...

    Zur Erläuterung der für Europäer schwerer zu verstehenden Kontroverse um das "Blackfacing" vielleicht nur kurz die Anmerkung, dass in den Staaten vor hundert oder hundertfünfzig Jahren Weiße bei Jahrmärkten auftraten, die schwarz geschminkt Afroamerikaner spielten - als hirnlose Deppen natürlich. Deshalb ist "Blackfacing" jenseits des großen Teichs tatsächlich ein Skandal, während bei uns wohl weniger Wirbel darum veranstaltet würde.

    https://www.ferris.edu/jimcrow/coon/

    Dennoch weiß ich nicht, ob ein simpler Auftritt mit schwarz geschminktem Gesicht auf einer Uniparty in den Achtzigern zumindest im Fall des Generalstaatsanwalts (wo wohl kein KKK-Kostüm im Spiel war) nicht etwas hoch gehängt wird. Damals lief bei MTV ein Video von Culture Club, in dem auch umgeschminkt wurde - so ganz verständlich erscheint mir die Aufregung daher nicht.

    https://www.youtube.com/watch?v=2nXGPZaTKik

    Zumal die Unizeit halt generell ein Abschnitt im Leben ist, wo man auch mal Blödsinn macht. Aber die amerikanischen Sensibilitäten in Rassenfragen kann ich eh nicht immer so ganz nachvollziehen; im Gegenzug verstehe ich natürlich noch weniger, warum manche weiße Südstaatler tatsächlich noch die Konföderiertenflagge flattern lassen und damit die Verbrechen der Sklaverei verklären. Aber neben dem Bett liegen jetzt zwei Romane schwarzer amerikanischer Autoren - vielleicht sehe ich nach der Lektüre etwas klarer.

  • RE: Old Dominion Blues

    drui (MdPB), 09.02.2019 21:06, Antwort auf #76
    #77

    Ob so etwas im Wahlkampf ein ernsthafter Nachteil ist? Wir werden es wahrscheinlich erleben.

    Ich denke schon, denn ihr "nice image" war ihr wichtigstes Pfund zum wuchern und die Vorwürfe treffen doppelt, indem sie kaum gutes und motiviertes Personal findet bzw. das dann wenig loyal sein wird (vgl. Trumps Bande) und massiv an likeability der Wähler verliert. Und das in einer Phase, wo sie ihre mangelnde Bekanntheit loswerden wollte. Wen frau aber auf diese Weise bekannter und das Image negativ geprägt wird, ist das tödlich. Ich denke, sie ist jetzt schon Toast.

    Bezüglich Virginia bin ich immer wieder erstaunt, wie hysterisch und undifferenziert die Debatte ist. Blackfacing mag in den USA seit etwa den 80ern politisch unkorrekt sein und ist sicher unsensibel und derweilen geschmacklos. Aber ist es in allen Fällen wirklich rassistisch? Und in irgendeiner Weise vergleichbar mit einem Vize-Gouvernor, der 2+X Frauen vergewaltigt haben soll? Das ist der Skandal und das andere ist hauptsächlich geworfener Schlamm. Northam sagt ja, er habe sich für eine Michael-Jackson-Imitation schwarz angemalt, also ironischerweise für einen vermutlich pädophilen  und sicher einst schwarzen Superstar, der seine Gesundheit ruiniert hat, um weißer zu sein.

    Es macht für mich ja schon einen Unterschied, warum man sich anmalt, ob aus Respekt für einen Star oder als Spaß oder als Verächtlichmachung. Wenn man die US-Maßstäbe an Deutschland anlegen würden, wären nach dem Rosenmontag eine Millionen Kölner entlassen oder im Gefängnis. Und Hundertausende müssten um ihre Karriere bangen, weil sie (wie ich) mal als 9-Jähriger an Dreikönig als Melchior mit Schuhcreme im Gesicht katholische Gläubige um Geld erleichtert haben. Wenn das in den USA immer so läuft, ist es wenig verwunderlich, dass es dort keine guten ausgelassenen Parties aber dafür ausreichend Heuchler gibt.

    Ich bin sehr gespannt, wie das mit der Bezos-Sache weitergeht. Dumm ist er ja nicht. Frisch geschieden wegen eines Seitensprungs gut die Hälfte des Vermögens verloren, peinliche Bilder bei der Schundpresse, milliardenschwerer CEO bei einer verrufenen Firma und trotzdem fliegen ihm nun die Symphatien zu durch seine Transparenz. Verbindungen zu Trump und Saudi-Arabien, ein möglicher Verstoß gegen die Gerichtsauflagen, die Pecker ins Gefängnis bringen könnten, mögliche Klagen von Bezos gegen die Zeitung, die ihr finanzielles Ende bedeuten können. Bezos hat so viel Geld für Ermittlungen, das all die Sünden der Vergangenheit ins Licht rücken könnten, und Trump arbeitet seit zig Jahren mit Pecker zusammen. Und schließlich wäre da auch noch die Möglichkeit von Parteispenden. Wenn Bezos ein paar Milliarden locker macht, sehen der Milliardär von Starbucks, die Koch Brothers, Thiel, Bloomberg etc. alt aus.

  • RE: Old Dominion Blues

    Wanli, 10.02.2019 17:38, Antwort auf #77
    #78

    Bezüglich Virginia bin ich immer wieder erstaunt, wie hysterisch und undifferenziert die Debatte ist. [...]

    Es macht für mich ja schon einen Unterschied, warum man sich anmalt, ob aus Respekt für einen Star oder als Spaß oder als Verächtlichmachung.

    Mittlerweile ist die spontane Reaktion ja auch abgelöst worden von mehr Differenzierung. Mark Herring, der Generalstaatsanwalt, hatte sich 1980 im Alter von neunzehn Jahren schwarz geschminkt, um bei einer Party Songs eines von ihm bewunderten schwarzen Rappers vorzutragen, hat die Episode von sich aus angesprochen und sich entschuldigt: Also, wenn das ein Grund sein soll, eine Karriere zu beenden, dann gute Nacht. Wär auch absolut kontraproduktiv, weil es suggeriert, dass eine persönliche Weiterentwicklung absolut überflüssig ist, wenn wir eh auch vierzig Jahre später nach dem beurteilt werden können, was wir als Teenager getan haben (und was in diesem Fall jetzt nun auch nicht rassistisch motiviert war).

    The idea, apparently, is that whenever any white person puts on brown makeup, it can be read as a salute to, or at least not attendant to, the brutally dismissive blackface practices of minstrel performers from the 19th century well into the 20th. To wear blackface is to condone white men prancing around on stage talking in cartoonish syntax and promulgating an idea that the essence of blackness is resounding ignorance, sexual rapacity, and buffoonery.

    But minstrelsy was a very long time ago now. Ever fewer people now living experienced it live. While we must never return to minstrel-style hijinks, does it really make sense, does it really serve a purpose, to ban anyone ever putting on brown makeup as part of mimicking a person of color regardless of his or her intent? Must we really have it that a white person dressing as a black person must do it with his or her own pale skin on view? The likely outcome will be a tacit societal rule that black Americans are the only people in the country who are never to be imitated even in praise except by other black people. And what purpose would that glum, peculiar stricture serve?

    https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2019/02/mark-herring-and-grey-zones-bl ackface/582355/

    Im Falle des Gouverneurs kann man das schon etwas anders sehen - auf dem inkriminierenden Foto ist eben kein spezifischer Schwarzer zu sehen, sondern ein Stereotyp, das schon Richtung Minstrel-Show geht. Der Kumpel in KKK-Kapuze daneben macht es natürlich auch nicht besser, zudem war Northam damals auch schon älter und seine Aufklärung der ganzen Geschichte auch weniger klar. Da werden die Rücktrittsforderungen wohl nicht so schnell verstummen, aber auch hier ist die Bevölkerung vielleicht entspannter als manche Medien. Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Schwarzen Virginias der Meinung, Northam müsse nicht unbedingt zurücktreten. Ungewiss, wie diese Geschichte ausgeht; der Gouverneur und sein in ganz anderer Hinsicht belasteter Vize lehnen einen Rücktritt bislang ab.

    https://www.motherjones.com/kevin-drum/2019/02/poll-shows-strong-black-support-f or-gov-ralph-northam/

    ------

    Gestern hat Elizabeth Warren ihre Kandidatur ganz offiziell gemacht (juristisch gesehen war sie ja schon eine Weile Kandidatin) und auch hier ist der Umgang der Linken und des gesamten Landes mit Minderheiten natürlich ständig Thema. Hoffentlich räumen die Medien Warren neben Karikaturen, die sie als Indianerin zeigen, auch mal ein paar Zeilen zur Diskussion ihrer politischen Vorstellungen ein, zum Beispiel der von ihr vorgeschlagenen Vermögenssteuer.

    Der Donald begrüßte Warren prompt im Rennen mit einem Tweet, der ihr einen bitteren "TRAIL" in Aussicht stellte, eine kaum verklausulierte Anspielung auf den Trail of Tears, die Zwangsumsiedlung mehrerer Indianerstämme in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bei der mehr als zehntausend Native Americans den Tod fanden.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Trail_of_Tears

    Es wäre schon ein schlechter Witz, aber leider gar nicht so unwahrscheinlich, wenn der Generalstaatsanwalt Virginias sein Amt verlöre, weil er mit neunzehn einen Rapper imitiert hat, die gestrige Entgleisung des Präsidenten (ein Scherz über einen Völkermord an Ureinwohnern) aber schon bald wieder vergessen ist - so ist der POTUS halt...

    EDIT

    So, die garstige Amy hat es getan, ihren Hut in den Ring geworfen nämlich.

    https://fivethirtyeight.com/features/amy-klobuchar-2020-democratic-nomination-ki ckoff/

  • Californication / David gegen Goliath

    Wanli, 17.02.2019 12:18, Antwort auf #78
    #79

    Kalifornien stimmt im kommenden Jahr ungewöhnlich früh ab im demokratischen Vorwahlprozess - die Briefwahl beginnt schon wenige Stunden vor den Caucuses in Iowa, traditionell der offizielle Startschuss für den ganzen Prozess. Kamala Harris, Senatorin aus dem Golden State, rammt denn auch schon fleißig Pflöcke ein, um mit einem guten Ergebnis in ihrem Heimatstaat eine Tonne an Delegierten einzuheimsen und den Schwung, den andere Kandidaten in kleineren Staaten aufnehmen könnten, möglichst im Keim zu ersticken.

    The Democratic senator has been activating her forces on the home front since launching her White House bid last month — cornering some of the state’s most prolific donors, locking down big endorsements and homing in on a statewide blueprint to rack up early delegates.

    https://www.politico.com/story/2019/02/16/kamala-harris-california-2020-strategy -1173320

    Dem Bericht zufolge sind auch andere Kandidaten schon in dem Staat aktiv, auch solche wie Biden oder Sanders, die ihre Kandidatur noch gar nicht erklärt haben. Harris hat allerdings jetzt die offene Unterstützung des frisch gewählten Gouverneurs.

    Kamala Harris is a fearless fighter. A voice for the voiceless and vulnerable. From advancing equality to defending immigrant communities to expanding opportunity, she'll do what's right. Proud to endorse @KamalaHarris for President.

    https://twitter.com/GavinNewsom/status/1096585330935779328

    -----

    Ein Detail, das vielleicht besonders verdeutlicht, wie engagiert die demokratische Basis die Suche nach Trumps demokratischem Herausforderer verfolgt: Amy Klobuchar, sicher nicht die prominenteste der Kandidaten, trieb in den ersten 48 Stunden nach Erklärung ihrer Kandidatur über eine Million Dollar an Spenden ein.

    https://minnesota.cbslocal.com/2019/02/12/sen-amy-klobuchar-raises-1m-within-48- hours-of-launching-2020-bid/

    Geld ist immer willkommen, aber diesmal vielleicht noch in einem weiteren Sinn: Angesichts der Anzahl der demokratischen Kandidaten zerbricht man sich in der Parteizentrale den Kopf darüber, wie man die Fernsehdebatten organisieren soll. Als Kriterium, das zu einer Teilnahme berechtigt, werden neben den Umfragezahlen auch die über Kleinspenden eingetriebenen Gelder diskutiert, bilden diese doch vermutlich ganz gut den Enthusiasmus an der Basis für einen bestimmten Kandidaten ab.

    -----

    Um nicht nur auf die Demokraten zu schauen: Donald Trump hat seinen ersten offiziell erklärten Gegenkandidaten in den republikanischen Vorwahlen: Bill Weld, in den Neunzigern sehr erfolgreicher Gouverneur von Massachusetts und 2016 Vizekandidat des libertären Gary Johnson, wird den Orangenen herausfordern - selbstredend ohne große Aussicht auf Erfolg.

    Weld seems like one of the weakest candidates that anti-Trump Republicans could put up in a national campaign. Pretty much ever since he was elected governor of Massachusetts in 1990 and re-elected by a record margin in 1994, Weld has been the poster child for patrician, moderate, New England Republicanism. [...]

    The problem for Weld is that there is no longer a demand for his type of Republican, especially at the federal level: 14 Republicans represented New England during the 104th Congress (1995-96), but only one (Sen. Susan Collins of Maine) does so today.

    https://fivethirtyeight.com/features/how-bill-weld-could-shake-up-the-2020-repub lican-primary/

    Ganz interessant: Vor wenigen Jahren wurde nach den ordentlichen Vorwahlergebnissen eines Ron Paul sinniert, ob die Zukunft der GOP vielleicht in einer Hinwendung zu libertären Vorstellungen liegen könnte. Gibt genügend Unterschiede zwischen Weld und Paul, aber auffällig ist schon, wie komplett die Ron-Paul-Revolution versandet zu sein scheint - in Drumpfs GOP scheint kaum noch Platz für libertäre Visionen.

  • RE: Californication / David gegen Goliath

    saladin, 18.02.2019 03:46, Antwort auf #79
    #80

    Ganz interessant: Vor wenigen Jahren wurde nach den ordentlichen Vorwahlergebnissen eines Ron Paul sinniert, ob die Zukunft der GOP vielleicht in einer Hinwendung zu libertären Vorstellungen liegen könnte. Gibt genügend Unterschiede zwischen Weld und Paul, aber auffällig ist schon, wie komplett die Ron-Paul-Revolution versandet zu sein scheint - in Drumpfs GOP scheint kaum noch Platz für libertäre Visionen.

    wieviel von ron paul war persönlichkeitskult?

    sogesehen ist trump auch ein nachfolger von ron paul

    paul,teaparty,trump...leute die mit den eliten (auch und gerade der gop) unzufrieden sind aber keine dems (egal für was die stehen) sein wollen wählen/versuchen einfach was anderes und schauen danach was sie eigentlich gewählt haben

    laut umfragen sind sie mit trump eigentlich sehr zufrieden (an der basis der gop hat trump bessere umfragewerte als sankt ronald reagen)

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